Mit Dr. Thomas Steininger: Die Geschichte des Heiligen von Homer bis zur Postmoderne – Welche Dimension des Heiligen braucht eine offene Gesellschaft? vor vier Arbeiten des Künstlers Alfred Graf

Abb.: Dr. Thomas Steininger

Dr. Thomas Steininger

Ich verstehe mich als Philosoph. Bei emerge bin ich nicht nur Teil des Vision Teams, sondern auch Herausgeber des evolve Magazins. Ich unterrichte in unseren Programmen, leite Retreats und spreche jeden Donnerstag mit unseren Gästen bei Radio evolve. In meinen „vergangenen Leben“ arbeitete ich als Journalist beim Radio Sender Österreich 1 und als Psychotherapeut. Meine Doktorarbeit in Philosophie schrieb ich über Selbsterfahrung und sozialen Wandel mit einem Schwerpunkt auf Ken Wilber und Martin Heidegger. Manchmal scheint es, dass diese Arbeit zum Bauplan meines weiteren Lebens geworden ist. Die Fragen, die mich damals bewegten, bewegen mich noch immer. Seit fast 25 Jahren erforsche ich den Dialog als einen Katalysator der Bewusstseinsentwicklung und kultureller Veränderung. Ich glaube, dass wir durch die Arbeit in emerge, einen kleinen aber entscheidenden Beitrag für eine neue Bewusstseinskultur leisten können — eine Bewusstseinskultur, die auch zu neuen Antworten in den drängenden globalen Fragen unserer Zeit führen wird. Telefonisch erreichbar unter: +49(0)69-34873141

Alfred Graf

1958 geboren in Feldkirch; 1979-84 Akademie der bildenden Künste, Wien; 1985 Theodor Körner Preis, Wien; 1988 Arbeitsstipendium, Stadt Wien, Förderpreis, Vorarlberger Landesregierung; 1989 Romstipendium; 1990 Glasgow 1990, Arbeitsstipendium Festival Office / Glasgow; 1993 Stipendium Prag; 1996 Stipendium Pirgi / Chios / Griechenland, Arbeitsstipendium, Bundeskanzleramt; 1998 Förderpreis der Karl Anton Wolf-Stiftung; 2000 Stipendium Paliano / Italien: 2006 Sylt-Quelle, Arbeitsstipendium / Rantum / Sylt; Ausstellungskurator des Vereins allerArt, Bludenz; 2009 Sirius Arts Centre, Arbeitsstipendium / Cobh / Irland

Einzelausstellungen und -beteiligungen in Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Frankreich, Kroatien, Israel, Griechenland, Ungarn, Tschechien, Polen, Großbritannien, Irland, Malta und den USA

Kataloge: Essenz der Landschaft 2012; Uni ver sal mus eum 2011; Sylt 2008; Die Landschaft blieb bei mir…2004; Reiseskizzen 2001; Die Welt Stück für Stück 1998; Archipelago (mit Thomas Joshua Cooper) 1995; Callanish 1992

Videos: Vorarlbergmuseum – Portraitfilm; 
Interview; Projekt Serendipity; Kunstraum Dornbirn

Integrales Zentrum Wien

Mittwoch, 5. Dezember 2018

Einlass 18:00 Uhr, Beginn 18:30

Beitrag: 35.00 Euro

Information

Das „Heilige“ ist kein leichtes Wort. Es ist wie ein veraltetes Wort aus einer anderen Zeit, das zu unserer modernen, kritischen und offenen Gesellschaft im Widerspruch steht. Obwohl das Heilige uns über lange Zeit begleitet hat. Es hat sich in den letzten 200.000 Jahren immer wieder radikal verändert, angefangen von Totem- und Tabu-Riten, von den Geistern der Natur bis zu den griechischen Göttern des Homer, vom großen einen Gott über das unbekannte Mysterium bis vielleicht zu den heiligen Idealen der bürgerlichen Aufklärung. In den letzten 200 Jahren fing es langsam an zu verblassen. Das „Heilige“ ist auch ein kraftvolles Wort. Von den „heiligen Kriegen“ der Europäer mit den Kreuzzügen und dem Dreißigjährigen Krieg bis zu den „heiligen Kriegern“ der Islamisten und des Machtmissbrauchs in autoritären religiösen Zusammenhängen heute zeigt sich durchaus, wie „das Heilige“ eine unheilvolle Macht entfalten kann.

Wo stehen wir also mit diesem Wort, dessen innere Kraft sich nicht immer nur zum Guten entfaltet hat in einer offenen Gesellschaft? Dass eine Kultur der Begegnung gelingt – sei das nun in einer kleinen Gruppe, in einer Gesellschaft oder zwischen den Kulturen der Welt – verlangt ein Vertrauen in etwas im Leben, das nicht fassbar und auch nicht berechenbar ist. So gesehen braucht gerade die offene Gesellschaft ihr eigenes Mysterium, ihre Dimension des Heiligen. Erst dann beginnen wir zu sehen, was sie ihrem Potenzial nach ist. Weitere Infos: www.emerge-bewusstseinskultur.de

Der Künstler Alfred Graf zeigt vier transluzente Arbeiten aus der 8-teiligen Serie MORSUM-KLIFF (2007) aus Sand mit Wachs auf Baumwolle mit je 270 x 67 cm.

Das Morsum-Kliff ist eine Kliffküste im Osten der Insel Sylt, die in aufgeschlossenen Schichten in der Reihenfolge ihrer Entstehung nebeneinander im Kliff zu sehen sind. Diese Schichten repräsentieren eine geologische Zeitspanne von ungefähr 7–8 Millionen Jahren, werden dem Neogen zugeordnet, das u.a. durch die Entwicklung der Säugetiere gekennzeichnet ist.

Alfred Graf hat mit dem Sand aus diesen verschiedenen erdgeschichtlichen Schichten eine Serie von Kunstwerken gestaltet und unser Werden in jedem einzelnen Werk materialisiert und transzendiert. Etwas Erhabenes durchwirkt mit diesen Arbeiten den Raum im Integralen Zentrum Wien für die ästhetische und spirituelle Erfahrung des Heiligen, das uns Thomas Steininger vermitteln wird.

Morsum-Kliff (2007): Sand mit Wachs auf Baumwolle, 270 x 67cm